Fleischkonsum: Eine Frage der sozialen Gerechtigkeit 2019-02-07
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Fleischkonsum: Eine Frage der sozialen Gerechtigkeit

Man kann ja sowieso nichts ausrichten

Seitdem mir bei meiner Ausbildung zur Yoga-Lehrerin im letzten Sommer in einem Ashram in Thailand endlich die Augen geöffnet wurden, lebe ich mein Leben bewusster. Auch wenn ich vorher schon wusste, dass es viele Ungerechtigkeiten in der Welt gibt, wir von Politikern an der Nase herumgeführt werden und es oft nur um Geld und Macht geht, war ich trotzdem irgendwie blind. Oder ignorant, so kann man es vielleicht auch nennen.

Oft dachte ich, dass ich ja als einzelne Person sowieso nichts ausrichten kann. Dass mein Leben sowieso so kurz ist und ich es deshalb in vollen Zügen genießen muss, ohne Rücksicht auf Verluste.

Im Ashram habe ich dann aber schnell verstanden, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Ich kann sehr wohl etwas ausrichten, und zwar eine ganze Menge. Es fängt dabei mit ganz simplen Dingen an, wie z. B. einem Unbekannten ein Lächeln schenken oder für einen Freund in schweren Stunden da sein. Jemanden umarmen oder einfach mal richtig zuhören.

Doch Gesten der Liebe reichen alleine manchmal nicht aus. Ich habe verstanden, dass auch mein Lebensstil einen großen Einfluss auf das Leid in der Welt hat. Nur, wenn ich meinen Lebensstil radikal ändern würde, könnte ich mich davon frei sprechen für viele der Grausamkeiten in der Welt verantwortlich zu sein. Das wurde mir bewusst. Jetzt wird sich manch einer fragen, was für einen extremen Lebensstil ich denn vorher hatte, der so schlimme Konsequenzen für unseren gesamten Planeten hatte.

Nun ja, ich habe konsumiert, wozu ich gerade Lust hatte, ohne über mögliche Konsequenzen nachzudenken. Was daran schlimm sein soll? Lies bitte weiter!

Globale Zusammenhänge

Das Leid der Tiere ist einer der Punkte, der mich unmittelbar überzeugt hat, mich bewusster zu ernähren. Vor allem nachdem ich einige Dokumentation über Nutztierhaltung angeschaut hatte. Klar, auch vorher wusste ich schon, dass Tiere sterben für meinen Fleischkonsum. Doch wenn man das Leid wirklich einmal sieht und spürt, wie sehr die Tiere leiden (denn ja, sie fühlen auch!), dann zerreißt es einem wirklich das Herz. Trotzdem wurde mir bewusst, dass es neben dem Leid der Tiere noch weitere Konsequenzen des übermäßigen Konsums von Tierprodukten gibt und ich begann mich darüber zu informieren.

Der Begriff des „ökologischen Fußabdrucks“ beschreibt die Fläche auf der Erde die notwendig ist, um den Lebensstil eines Menschen dauerhaft zu ermöglichen. Darunter fällt also unter anderem auch, welche Fläche für die Produktion von unserer Nahrung benötigt wird.

Ähnlich verhält es sich mit dem „Wasser-Fußabdruck“. Er stellt die benötigte Menge an Wasser für den eigenen Lebensstil dar. Immer wieder weisen Umweltschützer und Medien darauf hin, wie wir unseren täglichen Wasserkonsum verringern können, um „etwas für die Umwelt zu tun“. Da ist davon die Rede unter der Dusche während des Einschäumens das Wasser abzudrehen, man soll Waschmaschinen mit Öko-Funktion kaufen und auch nicht unbedingt spülen, wenn man nur „klein“ gemacht hat. Das ist alles schön und gut und es sind sicher noble Versuche, die jeder unternehmen kann. Doch ich wurde zum Beispiel nie darüber aufgeklärt, dass beispielsweise für die Produktion von nur einem Kilogramm Rindfleisch 15.000 Liter Wasser benötigt werden! Mit dieser Menge könnte man ein Jahr lang (!) täglich duschen.

Und es geht noch weiter. Wie oft liest man in den Nachrichten, wie sehr die Autofahrer mit ihren Abgasen die Umwelt belasten, dass Vielflieger rücksichtslos handeln usw. Klar sollte man sich überlegt fortbewegen, Fahrgemeinschaften bilden und auf öffentliche Verkehrsmittel zurückgreifen, wenn es geht.

Doch was leider nicht öffentlich diskutiert wird: Die Nutztierhaltung ist für viel mehr Treibhausgase verantwortlich, als alle Verkehrsmittel der Welt zusammengefasst. Gemäß einer Studie des WorldWatch Institutes im Jahre 2009 ist der Konsum von Fleisch, Milch, Fisch und Eiern für unglaubliche 51 % der weltweit von Menschen ausgelösten Treibhausgasemissionen verantwortlich.

Die UN-Organisation FAO („Food and Agriculture Organization of the United Nations“) hat dies ebenfalls bereits mit einer im Jahr 2006 veröffentlichten Studie gezeigt. Sie belegte darüber hinaus, dass die Nutztierhaltung einer der Hauptgründe (wenn nicht sogar DER Hauptgrund) der globalen Erwärmung, Devastierung (Zerstörung oder Verwüstung von Landschaften), Wasserverschmutzung und des Verlustes der Artenvielfalt ist.

Was mich außerdem sehr schockiert und traurig gemacht hat, ist die Tatsache, dass die weltweiten Hungersnöte gar nicht notwendig wären, wenn die Länder ihr Getreide nicht an andere, fleischproduzierende Staaten verkaufen bzw. selbst an Nutztiere verfüttern würden. 50 % der weltweiten Getreideernte werden an Nutztiere verfüttert – und gleichzeitig stirbt jede Sekunde ein Mensch an Hunger! Laut dem aktuellsten Welthungerbericht der UN leiden immer noch ca. 795 Millionen Menschen weltweit an Hunger. Ist das nicht vollkommen verrückt?!

Und all dieses Elend wird auch noch mit Milliardenbeträgen subventioniert, damit der Endverbraucher es dann für wenige Euro im Supermarkt erwerben kann. Allein aus Deutschland und der Europäischen Union fließen jährlich geschätzte 1,8 Milliarden Euro in die direkte bzw. indirekte Subvention von Massentierhaltung. Am Ende wird dann nahezu ein Drittel aller Lebensmittel weggeschmissen. Schätzungsweise bis zu 20 Millionen Schweine landen jährlich auf dem Müll. „Minderwertiges Fleisch“, welches in Europa nicht verkauft werden kann, überschwemmt die Märkte in afrikanischen Ländern und zerstört dort den lokalen Landwirten und Unternehmen die Lebensgrundlage.

Und warum diese Zusammenhänge in Politik und Medien kaum auftauchen und wir somit bewusst „blind“ gehalten werden? Weil hinter all dem Milliarden-Geschäfte stecken, deren Ausmaße nur schwer vorstellbar sind. Sollte uns das hindern, etwas zu ändern? Nein! Ganz im Gegenteil.

In einer globalisierten und vernetzten Welt wird deutlich, dass Fleischkonsum nicht nur eine Frage der persönlichen Einstellung ist, sondern immer mehr auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit.

In unserer Videosammlung zum Thema Fleischkonsum verlinken wir sehenswerte Videos rund um die Thematik.
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