Letzter Ausweg vegan? 2019-02-07
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Letzter Ausweg vegan?

In diesem Artikel berichtet Jasmin über ihre Umstellung auf eine vegane Diät.

Das letzte Stück Fleisch?

Eine sehr gute Freundin von mir hatte in Peking in ihrem Bücherregal immer ein Buch mit dem Titel „Letzter Ausweg vegan“ stehen. Jedes Mal wenn mein Blick darauf fiel, konnte ich mir einen frechen Kommentar dazu nicht verkneifen. Der Titel kam mir einfach so dramatisch und übertrieben vor. Meine Freundin, die zu dem Zeitpunkt schon seit ein paar Monaten komplett vegan lebte, haben meine Kommentare immer kalt gelassen. Sie meinte nur stets zu mir, dass das Buch anscheinend eine besondere Bedeutung für mich hat, da ich es ständig wieder erwähnen würde. Ihre Empfehlung es doch mal zu lesen, habe ich damals dankend abgelehnt. Vegan war für mich zu diesem Zeitpunkt immer eine zu „extreme“ Art der Ernährung, bei der man auf alles verzichten muss und nichts mehr genießen kann. Wenn ich gesehen habe, was meine Freundin alles an „Ersatzprodukten“ gekauft hat, ist mir die Lust schon vergangen. Veganer Käse, vegane Mayonnaise, vegane Brotaufstriche… alles viel zu umständlich und wofür das alles überhaupt? Meinen Fleischkonsum hatte ich zu dem Zeitpunkt bereits sehr stark reduziert und mich bewusst gesund und ausgewogen ernährt. Der Wendepunkt kam erst einige Monate später…

Als ich mich im Frühjahr letzten Jahres für die Yoga-Lehrer-Ausbildung in Thailand angemeldet hatte, wusste ich bereits, dass wir dort auf Fleisch verzichten würden. Aber vier Wochen sind ja dann doch eine recht überschaubare  Zeit, hatte ich mir gedacht. Direkt vor meiner Ausbildung habe ich noch Freunde in Bangkok besucht. Am letzten Abend haben sie mich dann noch einmal zum Essen in einem argentinischen Restaurant eingeladen. Dort haben wir noch Witze gemacht, ob dies wohl mein letztes Stück Fleisch im Leben sein würde. Und im Nachhinein haben wir damit Recht behalten, denn es war vorerst mein letztes Stück. In den seitdem vergangenen 8 Monaten habe ich kein Fleisch zu mir genommen und auch sonst fast zu hundert Prozent vegan gelebt.

Im Ashram in Thailand haben wir uns dann nicht nur vegetarisch, sondern komplett vegan ernährt. Ebenfalls gab es keine zu stark gewürzten Speisen und keinen raffinierten Zucker. Die Ernährungsumstellung wurde uns aber auch nicht schwer gemacht. Ein Team von liebevollen Köchinnen war von morgens bis abends damit beschäftigt, uns die tollsten Gerichte zuzubereiten. Es gab täglich eine großartige und abwechslungsreiche Mischung aus thailändischen und indischen Speisen. Ein Großteil von Obst und Gemüse kam direkt aus dem hauseigenen organischen Garten, alles andere wurde von lokalen Bauern geliefert. Selten habe ich so gut gegessen und in keinem Moment hatte ich das Gefühl, dass mir irgendetwas fehlen würde.

In den theoretischen Unterrichtsstunden haben wir viel über die ausgewogene vegane Ernährung gelernt, sowie über Gewürze und Zutaten der ayurvedischen Küche. Ebenfalls wurden wir über die wirtschaftlichen, ethischen und gesundheitlichen Folgen des Konsums von tierischen Produkten aufgeklärt. Die uns dazu gezeigten Dokumentarfilme und die dazugehörigen Informationen haben einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen und mich schnell davon überzeugt, dass ich von nun an auch ein veganes Leben führen möchte. Das Essen ans sich haben wir mit sehr schönen Ritualen verbunden. Zum Beispiel gab es zwei Tage in der Woche, an denen wir die Mahlzeiten in völliger Stille zu uns genommen haben.

Wenn man sich einmal von nichts ablenken lässt und sich wirklich nur vollkommen auf das Essen konzentriert, nimmt man es auf einmal viel bewusster zu sich und alles schmeckt viel intensiver.

Dankbarkeit

Zu einem weiteren Ritual hat uns eine Mitstudentin aus Singapur inspiriert. Als gläubige Buddhistin hat sie vor dem Essen immer gebetet. In ihren Gebeten, so erklärte sie uns, bedankt sie sich für die Speisen und ebenfalls bei allen Menschen die dafür hart gearbeitet haben. Das fand ich so schön, dass ich daraufhin auch damit angefangen habe. Auch wenn ich mich keiner Religion zugehörig fühle, finde ich es eine schöne Art seine Dankbarkeit zu zeigen. Einfach mal vor dem Essen für einen Moment die Augen schließen und sich bewusst werden, wie glücklich wir uns schätzen können jeden Tag eine ausgewogene Mahlzeit vor uns zu haben.

Sogenannte Schnell-Restaurants, Straßenstände und ein großes „to-go“-Angebot haben dafür gesorgt, dass die Nahrungszufuhr in der „ersten Welt“ heutzutage quasi überall und ganz schnell erfolgen kann. Was die Produkte dabei beinhalten und ob sie unserem Körper gut tun oder nicht, spielt dabei oft leider nur eine Nebenrolle.  Unzählige Lebensmittelskandale wurden zwar schockiert zur Kenntnis genommen, dann jedoch genauso schnell auch wieder vergessen. Ich möchte sicherlich keinen bekehren und finde, dass jeder selbst entscheiden kann was er zu sich nimmt.

Ich möchte lediglich dazu anregen, dass man öfter einmal hinterfragt was genau man da eigentlich isst, wo es herkommt und ob es unserem Körper wirklich das bringt, was uns versprochen wird.

Mein eigenes Essverhalten hat sich nach dem Aufenthalt in Thailand komplett verändert und mein Körper dankt es mir. Ich fühle mich einfach rundum besser. Zurzeit arbeite ich noch daran, langsamer und bewusster zu essen. Alles was vom Essen ablenken könnte, wird vom Tisch verbannt. Es wird dabei nicht gelesen, nicht mit dem Handy gespielt und dem Fernseher habe ich sowieso schon vor langem den Rücken zugekehrt. Ich nehme nun kleinere, bewusstere Bissen zu mir und versuche jeden mindestens 20-mal zu kauen. Die Verdauung beginnt bereits im Mund und alles was man dem Magen schon vorher abnimmt, erleichtert sie enorm. Ein weiterer positiver Effekt ist, dass man so deutlich weniger isst. Das Gehirn merkt erst nach ca. 15 Minuten, dass der Magen voll ist. Durch das langsamere Essen hält man sich somit davon ab, sich zu überfressen.

Auf den Körper hören

Zu viel auf einmal zu essen ist heutzutage leider fast normal geworden. Es schmeckt gut, also isst man, ohne auf seinen Körper zu hören. Ich selbst habe dies immer so praktiziert. Mit meinen Freundinnen aus Deutschland haben wir uns früher regelmäßig getroffen um dann, entweder in einem Restaurant oder bei jemandem zuhause zu essen. Jedes Mal haben wir wirklich so viel gegessen, bis das uns am Ende richtig übel war. Und trotzdem passte am Ende immer noch ein Nachtisch rein. Mindestens eine von uns hatte auch immer irgendein Medikament dabei, was anschließend „den Magen aufräumt“. Wenn ich das heute so schreibe und an die Zeiten zurückdenke ist mir das richtig unangenehm.

Sich selbst zu lieben bedeutet auch seinen eigenen Körper zu lieben. Ihn so zu akzeptieren wie er ist und dafür zu sorgen, dass er gesund bleibt. Auch Buddha war sich schon über die Wichtigkeit dessen bewusst:

Den Körper bei guter Gesundheit zu erhalten ist eine Pflicht. Ansonsten sind wir nicht in der Lage einen klaren und starken Geist zu bewahren.

– Aus der Lehrrede von Benares, frei übersetzt

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